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Station II · Kapitel Zwei

Könnte das Universum sich selbst verursacht haben?

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Gedankenexperiment

Um die erste Frage zu beantworten, wie unser Universum entstanden sein könnte, stell dir ein Haus vor, das aus Ziegeln, Fenstern, Türen und einem Dach besteht. Keines dieser Teile ist von selbst entstanden. Sie mussten alle beschafft und zusammengebaut werden. Wenn wir also ein Haus betrachten, wissen wir, dass es nicht von selbst entstanden ist, sondern dass jemand von außen dafür gesorgt hat, dass es entsteht.

Denke nun an unser Universum, das voller Galaxien, Sterne, Planeten, Raum und Zeit sowie verschiedener Naturgesetze ist. Zu behaupten, das Universum habe sich selbst erschaffen, wäre, als würde man sagen, ein Buch habe sich selbst geschrieben, ohne einen Autor, oder ein Haus könne sich selbst bauen, ohne einen Baumeister. Das ergibt selbstverständlich keinen Sinn.

Genauso wie ein Haus einen Baumeister und eine Geschichte einen Autor braucht, muss auch das Universum eine erste Ursache haben. Es braucht etwas außerhalb seiner selbst, das das Universum erschaffen hat. Andernfalls hätte das Universum schon vorher existiert müssen, um sich selbst zu erschaffen, was logisch unmöglich ist.

Jemand könnte jedoch sagen: “Vielleicht hat das Universum keinen Anfang und kein Ende. Vielleicht existiert es schon immer und benötigt keine erste Ursache.”

Auf den ersten Blick mag dies durchaus plausibel erscheinen. Doch eine genauere Betrachtung zeigt, dass es mit dem, was wir aus Wissenschaft und Logik wissen, nicht vereinbar ist.

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Erster Punkt: Die Gesamtenergie des Universums ist endlich

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass Energie innerhalb eines isolierten Systems weder erzeugt noch vernichtet werden kann. Sie kann nur ihre Form ändern. Das bedeutet, dass die Gesamtmenge an Energie im Universum seit seinem Entstehen immer gleich geblieben ist.

Wenn das Universum keinen Anfang gehabt hätte, wäre bis heute unendlich viel Zeit vergangen. In dieser Zeit würde die nutzbare Energie ständig abnehmen, zum Beispiel wird Wärme immer gleichmäßiger verteilt. Daher wäre die gesamte Energie längst verbraucht, wenn das Universum ewig existiert hätte.

In einfachen Worten: Stell dir das Universum wie eine Uhr vor, die mit Batterien betrieben wird. Der erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass die Batterien nicht aufgeladen oder ausgetauscht werden können. Sie können nur mit der Zeit, während die Uhr läuft, an Leistung verlieren. Angenommen, die Uhr wäre schon immer gelaufen. Dann wären die Batterien heute leer.

Wir sehen jedoch immer noch Sterne leuchten, Planeten umkreisen ihre Sonnen, Galaxien ziehen durch das Universum. Das bedeutet, dass das Universum immer noch voller nutzbarer Energie ist. Dies beweist eindeutig, dass das Universum nicht seit Ewigkeit existieren kann. Es muss somit einen Anfang und eine Ursache haben.

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Zweiter Punkt: Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik bestätigt dies

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass Dinge in einem geschlossenen System mit der Zeit weniger organisiert werden und die Energie, die wir nutzen können, langsam verschwindet.

Einfacher ausgedrückt: Wärme wandert immer von heißen zu kalten Objekten, sodass am Ende alles die gleiche Temperatur hat. Wenn du beispielsweise eine heiße Tasse Kaffee auf einem Tisch stehen lässt, gibt sie Wärme an die Umgebung ab. Sie kühlt dadurch mit der Zeit ab und erreicht schließlich die Raumtemperatur.

Wenn das Universum schon immer existieren würde, müsste mittlerweile alles die gleiche Temperatur haben. Jedoch beobachten wir massive Temperaturunterschiede im gesamten Universum. Zum Beispiel brennen Sterne, während der Weltraum kalt bleibt, und es gibt immer noch Bewegung und Struktur im gesamten Universum.

Dies beweist, dass das Universum immer noch voller Energie und Ordnung ist und daher nicht seit Ewigkeit existieren kann.

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Dritter Punkt: Der Urknall zeigt, dass Energie einen Ausgangspunkt hatte

Die führende wissenschaftliche Erklärung für den Ursprung des Universums besagt, dass das Universum vor etwa 13,8 Milliarden Jahren aus einem extrem heißen, dichten Zustand hervorgegangen ist. Seitdem dehnt sich das Universum aus und kühlt ab. Die ursprüngliche Energie hat sich im Laufe der Zeit in verschiedene Formen wie Materie und Strahlung umgewandelt.

Dies bestätigt erneut, dass das Universum einen Anfang haben muss.

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Vierter Punkt: Die kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung bestätigt einen Anfang

Einer der stärksten Beweise für den Urknall ist die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung (CMB), die Reststrahlung aus dem frühen Universum. Heute messen Wissenschaftler die Temperatur der CMB bei etwa 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt (Kelvin). Während sich das Universum ausdehnt, kühlt die CMB jedoch ab.

Dies ist wichtig, denn in einem unendlich alten Universum gäbe es keine CMB mit den beobachteten Eigenschaften und keine systematische Abkühlung. Stattdessen sehen wir jedoch eine begrenzte Menge an Energie, die aus der Vergangenheit übrig geblieben ist und sich im Laufe der Zeit abgekühlt und ausgebreitet hat. Dies bestätigt ebenfalls, dass das Universum nicht ewig alt sein kann.

Wir können damit zweifelsfrei schlussfolgern, dass unser Universum einen Anfang haben muss und dass somit etwas das Universum aus dem Nichts erschaffen hat.

Wenn du an dieser Stelle die künstliche Intelligenz oder auch manche Menschen fragst, kann es sehr gut sein, dass sie dir einen der folgenden Gegenargumente nennen werden.

1. Eine endlose Kette von Ursachen

Ein Gegenargument lautet, dass es keine erste Ursache oder einen Schöpfer braucht, wenn unser Universum durch ein anderes Universum verursacht wurde, das wiederum durch ein weiteres Universum verursacht wurde, und so weiter, bis in die Unendlichkeit zurück.

Gedankenexperiment

Kann das sein? Nehmen wir einmal an, du leihst dir ein Buch aus. Du bittest einen Freund um ein Buch über afrikanische Elefanten, aber er muss es sich zunächst von jemand anderem ausleihen. Diese Person fragt eine andere, und so geht es endlos weiter. Wenn die Kette niemals endet und niemand das Buch tatsächlich besitzt, wirst du es dann jemals in die Hände bekommen?

Selbstverständlich nicht, das Buch würde nie bei dir ankommen, obwohl es existiert.

Wenn das Universum Teil einer endlosen Kette von Ursachen wäre und keine dieser Ursachen einen wahren Anfang hätte, dann würden wir niemals den gegenwärtigen Moment erreichen. Es könnte in diesem Fall also kein Universum geben. Da das Universum jedoch existiert, wissen wir, dass es einen Anfang haben muss.

Außerdem erklärt eine unendliche Kette von Ursachen nicht, warum die Kette überhaupt existiert. Jedes Glied hängt vom vorherigen ab, aber keines von ihnen kann erklären, warum überhaupt etwas existiert.

2. Teilchen, die aus dem “Nichts” entstehen

Es könnte dir jemand sagen, dass in der Quantenphysik winzige Teilchen aus scheinbar “leerem Raum” entstehen können. Bedeutet das, dass ein Universum doch aus dem Nichts entstehen kann?

Nein. Quantenfluktuationen, bei denen Teilchen scheinbar entstehen und vergehen, finden innerhalb von Raum, Zeit, Energie und physikalischen Gesetzen statt. Sie basieren also auf einer bestehenden Grundlage.

Mit anderen Worten: Sie finden im Universum statt und nicht im absoluten Nichts. Sie zeigen also nicht, dass das Universum selbst aus dem Nichts entstanden sein könnte.

Fazit

Logik und Wissenschaft zeigen eindeutig, dass das Universum zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden ist und somit durch etwas erschaffen wurde. Es muss also etwas geben, das nicht selbst verursacht wurde und notwendigerweise außerhalb von Raum und Zeit existiert.

Weiter auf der Reise · Station III

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